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H.R. Giger

H.R. Giger

Als wir vor über zwanzig Jahren H.R. Giger kennengelernt hatten, war dieser bereits ein etablierter Künstler, Oscargewinner und eine Referenz in der schweizer Kulturlandschaft. Seine Alien kannte und kennt heute jeder und wir sind dankbar, dass wir die Gelegenheit und Ehre hatten, auch den realen liebenswerten Menschen hinter der surrealen Kunst kennenzulernen.

Wie die Biomechanoiden unseres Freundes H.R. Giger der Z&B Gruppe einen neuen Anstrich verliehen

‘Wer einmal das pittoreske, mittelalterliche Städchen Gruyères im Kanton Fribourg besucht, muss einen Abstecher ins H.R. Giger Museum machen.’ Diese Empfehlung kam von einem unserer Mitarbeiter, der davon geschwärmt hatte, wie sehr es sich lohnen würde das angesprochene Museum zu besuchen. Unser Teamanlass sollte in jenem Jahr nämlich in Gruyères stattfinden und neben Zahlen und Fakten sollten auch Freizeit und Spass nicht zu kurz kommen. So bot es sich an, die Empfehlung zu nutzen und an einem freien Nachmittag die Exponate im H.R. Giger Museum zu sehen.

Der Besucher kommt ins Staunen, wenn er Objekte, Werke aus der privaten Sammlung des Künstlers entdecken und betrachten darf. Die Werke, übrigens aus mehreren Schöpfungsphasen unseres Freundes, bieten weit mehr, als die Monster die er erschaffen und für die er bekannt wurde. Auch wir wussten bei unserem ersten Besuch kaum mehr, als dass wir gerade im Museum des ‘Alien-Oscargewinners’ stehen und staunten nicht schlecht, als wir uns des vielfältigen Schaffens gewärtig wurden. Möbel, Skulpturen, Bilder und vieles mehr  – ein künstlerisches Potpurri! Diesen aussergewöhnlichen Künstler mussten wir unbedingt kennenlernen!

`Wie lernt man überhaupt einen so bekannten Künstler kennen?’, fragten wir uns damals. ‘Der wird doch nichts mit uns einfachen Menschen zu tun haben wollen’ und ‘…ein Oscargewinner hat doch keine Zeit,…’ und ähnliche Gründe wurden aufgezählt, weshalb ein H.R. Giger nicht mit uns sprechen wollen würde.

Wir lagen mit unserer Einschätzung komplett daneben.

Wer H.R. Giger kannte, der wusste, dass es kaum einen liebenswerteren Menschen gab, vorurteilslos, offen für Neues und in der Begegnung sehr herzlich. Nach nur wenigen Telefonaten mit der Museumsdirektorin, dann noch mit seiner lieben Partnerin Carmen, hatten wir H.R. Giger persönlich am Telefon, der mit seiner unkomplizierten Art, gleich ein Treffen, zwei Wochen später, in Gruyère vorschlug. So einfach und unkompliziert hatten wir uns das wahrlich nicht vorgestellt. Anstatt alles über ein ‘Management’ oder Drittpersonen abzuwickeln, kümmerte sich Hansruedi direkt um seine Belange, bodenständig und volksnah. Wir freuten uns riesig, den herausragenden schweizer Künstler persönlich zu treffen.

Als wir uns dann, zwei Wochen später, bei ihm in Gruyère das erste Mal trafen, war es ‘Sympathie auf den ersten Blick’. Der grosse H.R. Giger stieg nicht, wie man sich das vielleicht vorstellen könnte, aus einem noblen Luxusschlitten, nein – er fuhr mit seinem bestimmt 20 Jahre alten, knallroten Kleinwagen vor und, begleitet von einem Lächeln, winkte uns vergnügt zu. 

Nach einem kurzen ‘Hallo, ich bin de Hansruedi…also ebe, de H.R. Giger’ wurden wir gleich ins Museum eingeladen, wo er sich kurzentschlossen die Zeit nahm, uns ganz persönlich durch seine Sammlung zu führen. Es wurden unzählige Bilder und Skulpturen besprochen und für uns Laien war es ein Hochgenuss, dem Künstler persönlich zuzuhören, was ihm in den Momenten des Schaffens durch den Kopf ging, welche Motive er hatte Kunst zu schaffen, die ein für den oberflächlichenBetrachter eine doch recht morbide und albtraumhafte Welt darstellt. Faszinierend war auch, dass wir, nach der Führung, einzelne Exponate lieb gewonnen und durch Hansruedis Beschreibungen diese Exponate auch ihren Schrecken, den sie auf den ersten Blick verbreiten, vollständig verloren hatten und sogar ein Gefühl von Vertrautheit, Wärme und Zuneigung entstand. ‘Das passiert vielen, wenn ich über meine Kunst spreche’, meinte Hansruedi. ‘Viele denken, dass ich mit meiner Kunst bloss Schrecken verbreiten oder ERschrecken will – aber es ist immer auch eine Prise Humor in meinem Werk, auch Liebe und vor allem Liebe für ‘das anders Sein und anders Denkende’ und weniger das ausschliessliche Beeindrucken mit dem Ungewöhnlichen.

Je mehr Zeit wir mit diesem faszinierenden Mann verbringen durften und je mehr wir tatsächlich in seine Kunst eintauchen durften, desto bewusster wurde es uns, dass wir in irgendeiner Form eine Zusammenarbeit herstellen mussten. Auch für uns war und ist der Mensch im Mittelpunkt unseres Tuns und unserer täglichen Arbeit. Wir waren bereit, neue Wege zu gehen, ‘anders zu sein und anders zu denken’ und Mut zum Ungewöhnlichen zu zeigen. Auf der Rückfahrt gingen uns all diese Dinge durch den Kopf und kaum waren wir wieder in Zürich, haben wir Hansruedi nochmal kontaktiert, mit der Bitte, uns nochmal zu sehen.

Nach einem weiteren Treffen in Gruyères und einem Apéro in seinem Reiheneinfamilienhaus in Zürich-Oerlikon reifte langsam aber sicher der Entscheid in uns allen, dass es eine Werbekampagne sein muss, bei der die Biomechanoiden von Hansruedi im Zentrum der Kampagne stehen soll und die Verbindung zu unserer Tätigkeit, das Vermitteln von handwerklich-technischen Berufen hergestellt wird. Nach weiteren, ungezwungenen, aber konstruktiv und sehr zielgerichteten Treffen bei Hansruedi in Oerlikon, Nächten, in denen Patrick und Hansruedi sich die Ohren wund telefoniert hatten (Hansruedi hatte die Angewohnheit tagsüber zu schlafen und nachts zu arbeiten), entstand ‘Was wir tun, hat Hand und Fuss’. Eine Plakatkampagne die darauf abzielte, junge Menschen wieder vermehrt dazu zu bewegen, einen handwerklich-technischen Beruf zu erlernen. Es war und ist uns noch immer, ein Anliegen, dass junge Schulabsolventen unser umfangreiches Ausbildungssystem in der Schweiz nutzen und einen handwerklichen oder technischen Beruf erlernen. Hansruedi, der gelernte Maler, sagte dazu immer trocken: ‘Büro chasch immerno lerne, aber e Schrinerlehr machsch nüme mit Drissgi’.

Die Plakatkampagne entstand so im 2000/2001. Wir waren im Grossraum Zürich präsent mit unseren Plakaten, hatten darauf viel positive Resonanz erfahren, wurden in verschiedenen Zeitungen erwähnt und unsere Telefone klingelten ununterbrochen. Kurzum – die Kampagne war ein voller Erfolg!

Für uns war diese Zeit wahnsinnig spannend und ein Geschenk in unserem Lebenslauf. Es entstand Kunst in der Werbung oder Werbung in der Kunst, während es allerdings in der Retrospektive für uns das Wichtigste war, einen grossartigen und liebenswerten Menschen kennenzulernen, mit dem wir für immer verbunden sein werden.

H.R. ‘Hansruedi’ Giger ist im Mai 2014 unerwartet verstorben. Wir denken oft an ihn und sind ihm für die schöne Zeit mit ihm ewig dankbar.

Wir haben uns dazu entschlossen, verschiedene Skizzen und unveröffentlichtes Material aus jener Zeit mittelfristig auch einem grösseren Publikum zugänglich zu machen. 

 

Patrick und Ramon

H.R. Giger – der „Alien“-Vater

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